Es gab so eine Phase in meinem Leben, in der ich sehr viel Joy Division hörte. Alle haben solche Phasen mit irgend einer Band, oder Singer Songwriter oder so. Wenn wir über Musik sprechen, mit anderen, dann finden wir Gemeinsamkeiten, die wir auch suchen. Mag sein, zwei zählen sich zu der selben Generation, weil sie Bleach von Nirvana kannten, bevor so viele Nevermind mitsingen konnten. Da waren sie vielleicht 19 und es war 1994. Andere fühlten sich mit der Musik verbunden, und das war 2014 oder 2024. Vielleicht sagen können die 2034 sagen, ich hatte da so eine Nirvana-Phase. Bei mir also war es eine Joy Division-Phase. Ian Curtis war schon viele Jahre davor gestorben.
Ich aber lief mit Kopfhörern durch eine Stadt, in der ich zu dieser Zeit noch nicht lange lebte und hörte eben Joy Division. Sobald der Song Atmosphere kam verschob sich mein Tempo. Irgendwie war der Himmel dann jedes mal Grau. Und wenn der schon Grau gewesen war änderte sich dieses. Jedes mal war ich ganz bestimmt am Fluss, der die Stadt in eine westlich und östlich Seite teilte. Ich stand mal auf der einen und dann auf der anderen Seite, oder ging über die eine oder andere der Brücken. Das Wasser zog immer Richtung Meer, und ich wusste, wie es dort an der Mündung aussah. Bis dahin stürzte das Wasser das eine oder andere Wehr herab, schlängelte sich durch Nebenarme des Flusses, wurde von Fischen bewohnt; was Wasser so macht. Atmosphere ist verbunden mit unzähligen von Bildern, die schon bei den anschwellenden Tönen des Keyboards in meinem Gedächtnis geweckt werden. Dabei ist es schwer gewesen, eine emotionale Distanz zu überwinden. Vor allem, weil der Song von so einem Verhältnis von Annäherung und Abweisung handelt. Aus der Menge der Bilder versuchte ich anfangs, eine Geschichte in Bildern zu machen. Aber das funktionierte nicht. Auch die vielen Zitate funktionierten für mich nicht. Es brauchte einen Fluss von Bildern, und darin kleine Wechsel in den Tönen anstatt einer Erzählung, wie ich sie bei anderen Bilderfolgen zu Musik gemacht habe.
Als ich mit diese Version der Zeichnungen machte hörte ich die Musik noch mal über meinen bevorzugten Streamingsdienst. Hier wurde Atmosphere über ein best of Album abgespielt. Ich hatte es immer über Sustance gehört. Das Album war schwarz mit einem grünen geometrischen Zeichen. Besonders bekannt war von Joy Division das Album Unknown Pleasures, das de Visualisierung eines Pulsar von der britischen Astronomin Jocelyn Bell Burnell zeigt. Auf diesem best of war ein Foto der Band zu sehen, in schwarz-weiß, wie sie auf einer Brücke steht. Die jungen Männer befinden sich auf dem Scheitelpunkt, die Kamera mit der ich schaue ist relativ weit weg, man kann die Gesichter kaum erkennen. Da habe ich wegen dieser Distanz und mit den eigenen Bilder eine große Nähe verspürt.



